Desinfektion und Wundheilung
Wundversorgung und Wundheilung – Fakten und Tipps
Ein Sturz mit dem Velo, ein Schnitt in den Finger mit dem Messer beim Kochen oder die Berührung einer heissen Herdplatte – kleinere Wunden sind im Alltag schnell passiert. Ganz allgemein handelt es sich um eine Wunde, wenn die Haut oder Schleimhaut oberflächlich verletzt oder durchtrennt wird. Häufig geschieht dies durch mechanische und thermische Einflüsse. Kleinere Wunden sind in der Regel harmlos und heilen in der Regel schnell wieder ab. Grössere Wunden wie zum Beispiel eine Operationswunde brauchen dagegen mehr Zeit zum Heilen.
Wundversorgung – darauf kommt es an!
Eine gute und professionelle Wundversorgung ist bei allen Wundarten besonders wichtig. Das richtige Wundmanagement hilft dabei mit, dass die Wunde so gut und schnell wie möglich heilt. Kleinere Schürf-, Schnitt- oder Kratzwunden, Hautrisse, Schrunden oder leichte Verbrennungen ersten Grades (z.B. einen Sonnenbrand) können Sie selbst versorgen. Grössere, verunreinigte, klaffende Platzwunden, Stichverletzungen, Bisswunden oder chronische Wunden sollten Sie immer ärztlich versorgen lassen.
Die Reinigung und Desinfektion sind das A und O der Wundversorgung. So beseitigen Sie Verschmutzungen und verhindern, dass Krankheitserreger wie Bakterien in die Wunde eindringen und Infektionen auslösen (sogenannte Sekundärinfektion). Eine infizierte Wunde ist schmerzhaft, heilt schlechter und kann einige Komplikationen nach sich ziehen.
Einige Tipps zur Wundversorgung:
- Es gibt Desinfektionsmittel, die Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze abtöten und die Wunde vor Infektionen schützen.
- Daneben enthalten Salben, Cremes, Gele und Sprays oft zusätzliche Inhaltsstoffe, welche die Wundheilung unterstützen.
Akute und chronische Wunden – die Unterschiede
Es gibt viele verschiedenen Arten von Wunden, die sich nach ihrem Entstehungsmechanismus einteilen lassen. Wunden können beispielsweise durch mechanische, thermische oder chemische Einflüsse verursacht werden.
Daneben unterscheiden Mediziner und Medizinerinnen akute und chronische Wunden:
- Akute Wunden heilen normalerweise innerhalb von zwei bis drei Wochen wieder ab.
- Eine chronische Wunde ist auch nach vier bis zwölf Wochen noch nicht abgeheilt oder zeigt keine Tendenz zum Abheilen. Chronische Wunden kommen zum Beispiel oft bei Menschen mit Durchblutungsstörungen, der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus oder einem geschwächten Immunsystem vor.
Auch manche Hauterkrankungen sind mit der Bildung von Wunden verbunden, etwa die Neurodermitis und Psoriasis (Schuppenflechte). Typisch ist hier oft ein heftiger Juckreiz der meist trockenen Haut, dem Betroffene mit Kratzen entgegensteuern. Auf diese Weise entstehen die Wunden meist.
Wundheilung – wie der Körper defektes Gewebe repariert
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden bei der Wundheilung eine primäre und sekundäre Variante:
- Primäre Wundheilung: Die Wundränder sind glatt und liegen eng aneinander. Vor allem bei oberflächlichen Wunden wie Schnitt- oder Schürfwunden ist dies der Fall. Bei nicht ausreichender Pflege können Wunden, die ursprünglich primär geheilt wären, in die sekundäre Wundheilung übergehen. Für eine schnelle Heilung ist daher die Wunddesinfektion besonders wichtig.
- Sekundäre Wundheilung: Bei dieser Form liegen die Wundränder nicht beieinander oder die Wunde hat sich infiziert. Die Heilung dauert länger, weil der Körper erst ein „Übergangsgewebe“ herstellen muss, um die Haut schliesslich neu zu bilden. Auch das Risiko für eine Infektion ist bei der sekundären Wundheilung höher.
So läuft die Wundheilung ab
Die Wundheilung verläuft in mehreren Phasen. Sie lassen sich jedoch nicht klar voneinander abgrenzen, sondern manche davon laufen gleichzeitig ab. Grob lassen sich diese Phasen so beschreiben:
- Exsudative Phase (Reinigungs- und Entzündungsphase): Direkt nach der Verletzung startet der Körper mit der Blutgerinnung und Schorfbildung. Das Eiweiss Fibrin „verklebt“ und verschliesst die Wunde provisorisch. Zudem wandern Entzündungszellen ins Gewebe ein, welche die Wunde reinigen und Infektionen verhindern. Oft sondert die Wunde eine klare Flüssigkeit ab, das Wundsekret. Es besteht aus Blut und Lymphflüssigkeit und sorgt dafür, dass Bakterien und Zellbestandteile aus der Wunde geschwemmt werden.
- Proliferative Phase: Der Körper baut neues Bindegewebe (Granulationsgewebe) auf. Es enthält viele Zellen und Gefässe zur Sauerstoff- und Nährstoffversorgung und füllt die Wunde auf. Im Grund handelte es sich um eine Art „Ersatzhaut“, welche die Wunde zeitweise verschliesst.
- Reparative Phase: Das Granulationsgewebe wandelt sich in Bindegewebe (Narbengewebe) um und die Wunde schrumpft. Die Ränder der Wunde nähern sich weiter aneinander an und es entsteht eine Narbe. Meist bildet sich die Narbe soweit zurück, dass sie nicht mehr über das normale Hautniveau hinausgeht.
Tipp! Bei der Wundheilung kommt es immer auf die richtige Pflege an. Desinfizierende Salben, Cremes, Gele oder Sprays können Infektionen oder unschöne Narben verhindern.