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Desinfektion und Wundheilung

Wundheilung – feucht oder trocken?

Eine Wunde ist im Alltag schnell passiert. Schnitt-, Schürf- oder Brandwunden sind keine Seltenheit, etwa beim Hantieren mit einem Messer, Sturz vom Velo, Kontakt mit der heissen Herdplatte oder nach einem zu ausgiebigen Sonnenbad. Eine Wunde entsteht, wenn die Haut oder Schleimhaut oberflächlich verletzt wird, etwa durch mechanische (z.B. Messer) und thermische (Hitze) Einflüsse. Kleinere Wunden sind meist harmlos und heilen in der Regel schnell wieder ab. Grössere Wunden, etwa Operationswunden, brauchen dagegen länger zum Heilen.

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden akute Wunden, die innerhalb von zwei bis drei Wochen wieder abheilen, und chronische Wunden. Diese sind auch nach vier bis zwölf Wochen noch nicht abgeheilt oder neigen nicht zum Abheilen. Chronische Wunden kommen oft im Rahmen von Krankheiten vor, zum Beispiel bei der Zuckerkrankheit „Diabetes mellitus“. Auch ein geschwächtes Immunsystem macht Menschen anfälliger für chronische Wunden.

Damit sich eine Wunde wieder verschliesst, setzt der Körper einen komplexen Prozess in Gang. An diesem sind viele verschiedene Zellen, Botenstoffe und andere Substanzen beteiligt. Die Wundheilung ist ein Prozess, der im Körper automatisch abläuft und lässt sich nicht mit dem Willen beeinflussen.

Ziel der Wundheilung ist es, Infektionen mit Krankheitserregern (z.B. Bakterien, Viren, Pilzen), Entzündungen und Austrocknung zu vermeiden. Durch die Reparatur des beschädigten Gewebes versucht der Körper also, weitere Schäden abzuwehren.

Primäre und sekundäre Wundheilung

Es gibt prinzipiell zwei verschiedene Arten der Wundheilung:

  • Primäre Wundheilung: Die glatten Ränder der Wunde wachsen direkt zusammen und es entsteht eine feine Narbe. Beispiel: Eine kleinere, oberflächliche Schnittwunde kann von alleine heilen oder lässt sich mit einem Pflaster, Klammern oder einer Naht behandeln. Wird die Wunde nicht ausreichend versorgt, kann eine Wunde, die sonst primär geheilt wäre, in eine sekundäre Wundheilung übergehen.
  • Sekundäre Wundheilung: Grössere oder klaffende Wunden sind oft mit einem Verlust an Gewebe verbunden und heilen sekundär. Die Wunde wird zunächst mit einem Übergangsgewebe – dem sogenannten Granulationsgewebe – aus der Tiefe heraus aufgefüllt. Daher dauert die Wundheilung auch länger. Ausserdem ist die entstehende Narbe meist breiter und fällt kosmetisch eher auf. Auch infizierte oder chronische Wunden heilen sekundär „von unten heraus“. So können Wundflüssigkeit und Eiter abfliessen, bevor sich die Wunde verschliesst.

Wundheilungsphasen

Eine Wunde entsteht, wenn die Haut und das darunter liegende Gewebe geschädigt werden. Unmittelbar nach der Verletzung startet der Körper die Wundheilung. Sie ist ein komplexer Prozess und läuft in verschiedenen Phasen ab.  Es gibt verschiedene Mitspieler, die am Verschluss einer Wunde mitwirken.

Vereinfacht lässt sich die Wundheilung so beschreiben: Zunächst wird das Blut gestillt und es gerinnt. Bestimmte Zellen reinigen die Wunde und sie wird mit Fibrin „verklebt“. Dann bildet sich neues Gewebe und die Wunde verschliesst sich. Je grösser und tiefer eine Wunde ist, desto länger dauert dieser Prozess der Wundheilung. Nur wenn alle Abläufe gut funktionieren, kann die Haut eine ihrer Hauptaufgaben – nämlich die  Schutzfunktion – wieder erfüllen.

Es gibt mehrere Wundheilungsphasen. Allerdings lassen sich diese nicht immer klar voneinander trennen, denn manche Vorgänge laufen auch parallel ab.

  • In der Reinigungs- oder Entzündungsphase (Exsudative Phase) geht es vor allem um die Reinigung der Wunde. Der Organismus versucht, Schmutzpartikel, abgestorbene Hautzellen und Bakterien aus der Wunde hinauszubefördern. So sollen Infektionen verhindert werden. Der Wundverband in dieser Phase sollte saugfähig sein, um alles gut aufnehmen zu können. Gleichzeitig darf er nicht zu viel Flüssigkeit aufnehmen, weil sonst die Wunde austrocknet.
  • In der Granulationsphase (Proliferative Phase) bildet die Haut neues Bindegewebe, sogenanntes Granulationsgewebe. Dieses besitzt viele Zellen und Gefässe zur Sauerstoff- und Nährstoffversorgung. Das Gewebe füllt die Wunde auf, sie zieht sich zusammen und verkleinert sich. In dieser Phase ist ein feuchtes Wundmilieu wichtig. Neue Zellen können sich schneller bilden und sich in der Wundregion ausbreiten.
  • Die Wundheilung schliesst mit der Wiederaufbauphase (Reparative Phase) ab. Jetzt verschliesst sich die Wunde allmählich vollständig. Das Granulationsgewebe wird in Bindegewebe (Narbengewebe) umgewandelt. In dieser Phase ist ebenfalls ein feuchtes Wundklima wichtig, aber auch ein guter Schutz vor äusseren Umwelteinflüssen. Meist bildet sich die Narbe mit der Zeit so weit zurück, dass sie nicht mehr über das normale Hautniveau hinausragt.

Feuchte und trockene Wundheilung

Bei der Wundheilung lassen sich zwei verschiedene Prinzipien unterscheiden: die feuchte und die trockene Wundheilung.

Feuchte Wundheilung

Ein feuchtes Wundmilieu kann die Wundheilung unterstützen. Die wichtigsten Vorteile und Merkmale dieses Prinzips sind:

  • Die Wunde heilt besser und schneller ab, wenn sie einem feuchten Klima ausgesetzt ist.
  • Frische Gewebszellen können schneller an den richtigen Ort wandern und die Wunde nach und nach verschliessen.
  • Auch neue Blutgefässe zur Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gewebes können sich rascher bilden.
  • Stoffwechselprozesse, die für die Wundheilung wichtig sind, können besser ablaufen.
  • Ein feuchtes Wundmilieu senkt zudem das Risiko für Infektionen.
  • Es bildet sich weniger Schorf, der eine Barriere für neu gebildete Zellen ist.
  • Auch der Bildung von Narben kann die feuchte Wundheilung besser vorbeugen.
  • Neu gebildetes Gewebe bleibt nicht am Pflaster oder Verband haften – dies ermöglicht einen schmerzfreien Wechsel.

Es gibt inzwischen spezielle hydroaktive Wundgele und feuchte Wundauflagen (Pflaster), die Sie zu Hause bei Wunden einsetzen können. Wundgele versorgen die Wunde mit Feuchtigkeit, verbessern das Wundmilieu, lindern Schmerzen und schützen die Wunde vor dem Eindringen von Krankheitserregen. Oft enthalten Wundgele noch Mineralstoffe wie Zink, welche die Wundheilung weiter unterstützen.

Pflaster zur feuchten Wundheilung bestehen oft aus dünnen, atmungsaktiven und hautfreundlichen Materialien. Sie nutzen zum Beispiel Hydrokolloide oder Polyurethan, um die Wunde feucht zu halten.

feuchte Wundheilung –erläuterndes Schema zu den Vorteilen der feuchten Wundheilung

Trockene Wundheilung

Die trockene Wundheilung ist die traditionelle Form, um eine Wunde heilen zu lassen. Sie galt lange Zeit als Standard. Dabei heilt die Wunde an der Luft oder wird nur mit einem „normalen“ Pflaster oder Verband geschützt. Das Blut gerinnt und es bildet sich eine harte Kruste, unter der es trocken ist. Aufgrund der Schorfbildung heilt die Wunde aber langsamer, das Infektionsrisiko steigt  und die Gefahr nimmt zu, dass sich eine unschöne Narbe bildet. Ausserdem kann der Pflaster- oder Verbandswechsel schmerzhaft sein, wenn Gewebe festgeklebt ist.

Wundheilung beschleunigen – Tipps

  • Reinigen und desinfizieren Sie eine Wunde richtig und sofort, wenn sie entstanden ist. Dadurch lassen sich Verunreinigungen beseitigen. Ausserdem verhindern Sie, dass Krankheitserreger wie Bakterien in die Wunde eindringen und Infektionen auslösen. Eine infizierte Wunde ist schmerzhaft, heilt schlechter und kann einige Komplikationen hervorrufen.
  • Lassen Sie die Wunde feucht heilen. Es gibt entsprechende Pflaster und Gele für die feuchte Wundheilung.
  • Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene und vielseitige Ernährung, die viele Vitamine und Mineralstoffe enthält. So sind zum Beispiel Zink, Eisen, Kupfer und Selen wichtige Mitspieler bei der Wundheilung. Besonders die Vitamine A, C, D, E und K braucht der Organismus, damit eine Wunde gut heilen kann. Auch ausreichende Mengen an Eiweissen (Proteinen) tragen zu einer guten Wundheilung bei. Eiweisse braucht der Körper zum Beispiel, um neues Gewebe herzustellen.
  • Nehmen Sie genügende Mengen an Flüssigkeit zu sich. So wird das heilende Gewebe optimal durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Die Schweizerische Ernährungsgesellschaft (SGE) empfiehlt rund 2 bis 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag. Auch Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse enthalten übrigens viel Flüssigkeit.
  • Verzichten Sie auf das Rauchen. Es vermindert die Durchblutung und sorgt dafür, dass der Körper schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Dies wirkt sich auch auf die Wundheilung aus. Bei Rauchern und Raucherinnen dauert es meist länger, bis Wunden abgeheilt sind.
  • Verzichten Sie auf Alkohol beziehungsweise gehen Sie möglichst massvoll mit alkoholischen Getränken um. Zu viel Alkohol kann das Immunsystem schwächen und die Wundheilung stören.

FAQs: Feuchte und trockene Wundheilung

Sollen Wunden feucht oder trocken heilen?

Heute ist es in vielen Fällen empfohlen, grössere Wunden wie Schnitt- oder Schürfwunden feucht statt trocken heilen zu lassen. Die feuchte Wundheilung gilt als moderne Variante, die trockene Wundheilung ist die traditionelle Wundheilungsstrategie. Sie hat aber nach wie vor ihre Berechtigung, beispielsweise bei kleineren Wunden, weil sie einfach und kostengünstig ist. Wenn Wunden feucht gehalten werden heilen sie schneller, es bilden sich seltener Narben und auch der Verbandswechsel ist weniger schmerzhaft.

Ist trockene oder feuchte Wundheilung besser?

Die feuchte Wundheilung besitzt einige Vorteile gegenüber der trockenen Wundheilung und gilt unter medizinischen Fachpersonen als besser. Bei der trockenen Variante ist die Wunde der Luft  ausgesetzt und es bildet sich mit der Zeit eine Kruste. Die Wundheilung geschieht hier langsamer und das Risiko für die Narbenbildung ist höher. Ausserdem kann der Wechsel des Pflasters schmerzhaft sein, wenn es an der Wunde kleben bleibt. Die moderne Variante bei den meisten Wunden ist heute die feuchte Wundheilung, weil Zellen im feuchten Milieu besser wandern und sich teilen und vermehren können. So erneuert sich das Gewebe schneller. Es ist also besser, eine Wunde feucht und nicht trocken zu halten.

Heilen Wunden schneller, wenn sie feucht oder trocken sind?

Wenn Wunden feucht sind, heilen sie schneller als wenn sie an der Luft trocken gehalten werden. Die Feuchtigkeit fördert das Zellwachstum, verhindert das Austrocknen und sorgt dafür, dass schneller neues Gewebe gebildet wird. Es gibt in der Apotheke oder Drogerie spezielle Pflaster, zum Beispiel mit Hydrokolloiden, sowie hydroaktive Gele, die für eine feuchte Umgebung der Wunde sorgen und das Wundmilieu verbessern. Sie lindern ausserdem Schmerzen und verringern die Infektionsgefahr.

Heilt eine Wunde schneller mit oder ohne Pflaster?

Bei der herkömmlichen trockenen Wundheilung wird die Wunde mit einem einfachen Pflaster abgedeckt. Dieses schützt die Wunde vor Verschmutzungen und mechanischen Einflüssen. Es bildet sich eine Kruste, unter der es trocken ist. Durch diese Krustenbildung heilt die Wunde meist langsamer. Eine modernere Möglichkeit ist die feuchte Wundheilung. Dabei kommen besondere Pflaster (z.B. Hydrokolloidpflaster) oder hydroaktive Gele zum Einsatz, welche die Heilung der Wunde fördern. Sie schaffen ein feuchtes Wundmilieu, das die Bildung neuer Zellen anregt, das Infektionsrisiko senkt und die Narbenbildung vermindert. Dass Wunden schneller ganz ohne Pflaster an der Luft heilen, gilt heute nicht mehr.

Muss die Wunde bei feuchter Wundheilung nass sein?

Nein, die Wunde sollte nicht nass, sondern nur feucht sein, damit sie gut und schnell abheilen kann. Sie sollten eine Wunde also nicht mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten „durchnässen“. Es gibt besondere Pflaster oder Gels, die für das richtige Mass an Feuchtigkeit sorgen.

Eignet sich die feuchte Wundheilung für alle Wunden?

Die feuchte Wundheilung ist für fast alle Wunden geeignet, zum Beispiel für Schnitt- oder Schürfwunden, die im Alltag schnell passiert sind. Auch für chronische Wunden, die schlecht heilen, eignet sich das Prinzip der feuchten Wundheilung. Nicht geeignet ist die feuchte Wundheilung zum Beispiel bei stark infizierten oder stark nässenden Wunden. Hier sind spezielle Vorbehandlungen der Wunden nötig.

Wann ist die trockene Wundheilung geeignet?

Die trockene Wundheilung ist die traditionelle Methode, die aber heute bei manchen Wunden nicht mehr empfohlen ist. Es bildet sich Schorf, unter dem die Zellen nicht so gut wandern können. Daher heilt die Wunde langsamer. Geeignet kann die trockene Wundheilung eventuell bei kleinen, oberflächlichen Wunden sein, zum Beispiel bei Kratzern. Ansonsten gilt das Prinzip der feuchten Wundheilung als moderne Strategie bei der Wundheilung.

Eignet sich die feuchte Wundheilung für Kinder?

Ja, sie eignet sich sogar sehr gut für Kinder, die sich beim Sport und Spiel oft Schürf- oder Schnittwunden zuziehen. Nicht nur die Wunde heilt schneller, sondern sie schmerzt auch weniger und der Wechsel der Wundauflage ist ebenfalls weniger schmerzhaft. Dieser Punkt ist besonders bei Kindern wichtig.

Kann man feuchte und trockene Wundheilung kombinieren?

Nein, eine Kombination aus feuchter und trockener Wundheilung ist nicht möglich. Sie müssen sich für ein Prinzip der Wundheilung entscheiden – also feucht oder trocken. Die feuchte Wundheilung ist jedoch für fast alle Wunden empfohlen. Die trockene Variante, bei der eine Wunde „an der Luft“ heilt, gilt als veraltet.

Ist feuchte oder trockene Wundheilung hygienischer?

Es lässt sich nicht pauschal sagen, ob die feuchte Wundheilung hygienischer ist als die trockene Variante. Wichtig bei der Versorgung einer Wunde ist ganz allgemein eine gute Hygiene. Sie sollten Ihre Hände gründlich waschen beziehungsweise desinfizieren, bevor Sie eine Wunde versorgen.  Ausserdem sollten Sie Verunreinigungen aus der Wunde vorsichtig entfernen. Bei der feuchten Wundheilung kommen spezielle Pflaster zum Einsatz, zum Beispiel Hydrokolloidpflaster, welche die Infektionsgefahr vermindern können. Allgemein gilt: Eine infizierte Wunde ist schwieriger zu behandeln und heilt langsamer.

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