Schmerzen
Rückenschmerzen – Ursachen, Tipps und „Erste Hilfe“
Rückenschmerzen zählen in der Schweiz inzwischen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Vier von fünf Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens einmal oder wiederholt an Rückenschmerzen. Zu diesen Zahlen kommt die Rheumaliga Schweiz. Es gibt also kaum jemanden, der noch nicht mit Kreuzschmerzen in Berührung gekommen ist. Betroffen sind alle Altersgruppen, etwa Schulkinder und Erwachsene bis hin zu älteren Menschen.
Rückenschmerzen sind in der Regel harmlos und unspezifisch. Das heisst, dass sich keine einzelne Ursache finden lässt, etwa eine Erkrankung wie ein Bandscheibenvorfall oder eine rheumatoide Arthritis. Oft stecken langes Sitzen im Beruf und in der Freizeit, Bewegungsmangel, Fehlhaltungen und Fehlbelastungen oder Stress dahinter.
In den meisten Fällen klingen die Schmerzen im Rücken innerhalb weniger Wochen wieder ab. Sie können jedoch auch wiederkehren, chronisch werden und zu Einschränkungen im Alltag und Beruf führen.
Rückenschmerzen – die Häufigkeit steigt
Die Häufigkeit von Rückenschmerzen hat in den letzten Jahren stark zugenommen, wie der Rückenreport 2020 der Rheumaliga Schweiz ermittelt hat. Befragt wurden mehr als 1.000 Männer und Frauen. Im Jahr 2011 gaben noch 39 Prozent der Befragten an, mehrmals pro Woche oder Monat unter Rückenschmerzen zu leiden. Im Jahr 2020 waren es schon 50 Prozent. Der Anteil jener Menschen, die noch nie Rückenprobleme hatten, fiel von sieben auf zwei Prozent.
Rückenschmerzen – spezifisch oder unspezifisch
Rückenschmerzen können sich in verschiedenen Bereichen der Wirbelsäule entwickeln – an der Lendenwirbelsäule (LWS), Brustwirbelsäule (BWS) und Halswirbelsäule (HWS). Oft ist die Lendenwirbelsäule betroffen, weil auf sie enorme Kräfte einwirken und sie im Leben vielen Belastungen standhalten muss.
Zudem können Rückenprobleme sehr viele verschieden Ursachen haben. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zunächst:
- Unspezifische Rückenschmerzen: Es lässt sich keine genau Ursache für den Rückenschmerz ausmachen, etwa eine Schädigung oder Veränderung an der Wirbelsäule oder der Rückenmuskulatur. Meist ist hier das Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und Bändern im Rücken gestört. Bei ungefähr 85 Prozent aller Fälle handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen.
- Spezifische Rückenschmerzen: Hier lässt sich eine Erkrankung nachweisen, die für die Kreuzschmerzen verantwortlich ist: Beispiele: Bandscheibenvorfall, rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew. Etwa 15 Prozent der Rückenprobleme fallen in die Gruppe der spezifischen Rückenschmerzen.
Unspezifische Rückenschmerzen – von Bewegungsmangel bis Stress
Die Ursachen von unspezifischen Rückenschmerzen können unter anderem sein:
- Bewegungsmangel: Viele Menschen verbringen zu viel Zeit im Sitzen – im Alltag, Beruf und in der Freizeit. Dieses mangelnde Muskeltraining und die Fehlbelastung der Wirbelsäule können in Rückenschmerzen münden.
- Fehlbelastungen, Fehlhaltungen und Muskelverspannungen: Fast jeder kennt das, wenn er zu lange in der gleichen Position am Schreibtisch sitzt: Die Muskeln verspannen und verhärten sich und schmerzen, wenn sie diese nicht, falsch oder einseitig belasten.
- Schwache Rumpfmuskulatur: Eine untrainierte, schwach ausgeprägte Rückenmuskulatur macht Menschen anfälliger für Rückenschmerzen. Diese Muskeln müssen die Hauptlast des Körpergewichts stemmen und sind beim Laufen, Stehen, Bücken oder Sitzen wichtige Mitspieler.
- Auch Stress kann Rückenschmerzen begünstigen. Bei Stress erhöht sich unter anderem die Muskelspannung im Körper. Wenn sich diese Anspannung nicht wieder lockert, etwa durch Bewegung und Ruhephasen, können sich Muskelverspannungen entwickeln – und daraus können wiederum Rückenschmerzen entstehen.
Spezifischer Rückenschmerz – Krankheit oder Verletzung als Ursache
Für spezifische Rückenschmerzen gibt es dagegen zum Beispiel diese Ursachen:
- Arthrose (Gelenkverschleiss) – mit zunehmendem Alter nutzt sich der Knorpel zwischen den Gelenkflächen ab. Die Folge sind Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen.
- Hexenschuss (Lumbago) – er kann verschieden Ursachen haben, zum Beispiel ruckartiges oder ungeschicktes Drehen oder Beugen, besonders nach einer längeren Ruhephase, aber auch das Heben einer schweren Last. Typisch für den Hexenschuss ist, dass ein schneller und heftiger Schmerz in die Lendenwirbelsäule einschiesst. Die Schmerzen zeigen sich im unteren Rücken, also im Bereich der Lendenwirbelsäule. Oft sind die Rückenschmerzen so stark, dass Sie sich kaum oder nicht mehr bewegen können. Die Hexenschuss-Dauer kann unterschiedlich sein. Sie müssen aber mit mindestens vier bis sechs Wochen rechnen, bis Sie wieder auf den Beinen sind.
- Bandscheibenvorfall – die Bandscheibe rutscht aus ihrer Hülle und drückt auf den Nerv
- Ischialgie – eine Entzündung des Ischiasnerv
- Verletzungen, etwa beim Sport, durch einen Sturz oder Unfall – Weichteile wie Muskeln, Muskelfasern, Sehnen und Bänder, aber auch Knochen können verletzt werden – und für Schmerzen am Rücken verantwortlich sein. Ganz allgemein sind Schmerzen nach Verletzungen sehr häufig.
- Rheumatoide Arthritis – eine entzündliche Gelenkerkrankung, die unter anderem mit Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen verbunden ist
- Osteoporose – die Knochenmasse verringert sich und die Knochen werden porös und brüchig, Wirbelbrüche kommen dann häufiger vor
- Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose) – eine Verengung des Wirbelkanals, durch den das Rückenmark und wichtige Nerven verlaufen
- Morbus Bechterew – eine Wirbelsäulenerkrankung, die zu den rheumatischen Erkrankungen gehört; sie beginnt meist mit einer Entzündung des Gelenks, das zwischen Kreuz- und Darmbein sitzt
- Skoliose: Die Wirbelsäule weicht seitlich von der Hauptachse ab und ist zugleich verdreht.
Manchmal liegen die Ursachen von Rückenschmerzen nicht im Rücken, sondern in weiter entfernten Organen oder Körperregionen. Von dort können die Schmerzen in den Rücken ausstrahlen und Betroffene nehmen sie dann als Rückenschmerzen wahr. Beispiele sind Erkrankungen von Herz (z.B. Herzinfarkt), Lunge und Nieren.
Was tun bei Rückenschmerzen?
Hier finden Sie weitere Tipps – schauen Sie das Video.