Kopfschmerzen
Schmerzen – unangenehm, aber sinnvoll?
Stechend, brennend, bohrend oder dumpf – Schmerzen können sich sehr unterschiedlich anfühlen. Die meisten Menschen kommen irgendwann in ihrem Leben mit Schmerzen in Berührung – ob mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen oder Bauchschmerzen. So unangenehm Schmerzen auch sind: Sie haben eine wichtige Aufgabe im Körper: Sie warnen davor, dass im Körper etwas nicht stimmt.
Was sind Schmerzen?
Schmerz lässt sich definieren als ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer aktuellen oder potentiellen Schädigung von Gewebe verbunden ist oder dieser ähnelt. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden akute und chronische Schmerzen. Zwischen beiden gibt es einige Unterschiede.
Akute Schmerzen sind ein Signal für eine akute Erkrankung oder Verletzung. In der Regel sind die Schmerzen auf den erkrankten Körperbereich beschränkt. Sie klingen in der Regel von selbst wieder ab, wenn die Ursache behandelt und behoben ist. Ein Beispiel ist eine Zahnwurzelentzündung, die oft starke Zahnschmerzen hervorruft. Wird die Entzündung behandelt, verschwinden auch die Schmerzen wieder. Auch ein gebrochenes Bein, eine Platzwunde und ein Schnitt im Finger heilen mit der Zeit und die Schmerzen lassen nach.
Chronische Schmerzen bestehen dagegen seit mindestens drei bis sechs Monaten. Rund 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz leiden unter chronischen Schmerzen, die anhalten oder wiederkehrend sein können. Betroffen ist also jede sechste in der Schweiz lebende Person. Chronische Schmerzen beeinträchtigen einen Menschen körperlich (z.B. Funktionseinschränkungen, Verlust der Mobilität), seelisch und geistig (Wohlempfinden, Stimmung, Denken) sowie sozial (z.B. gesellschaftlicher Rückzug).
Oft sind Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis (Gelenkschmerzen) oder eine Krebserkrankung mit chronischen Schmerzen verbunden. Manchmal bleiben die Schmerzen auch bestehen, obwohl die Ursache beseitigt ist. Der Schmerz verliert seine Warnfunktion, verselbstständigt sich und wird zu einer eigenen Erkrankung. Der Fachbegriff dafür ist „chronisches Schmerzsyndrom“.
Schmerzen sind ein Alarmsignal
Schmerzen sind ein Warnsignal dafür, dass an irgendeiner Stelle im Körper etwas nicht in Ordnung ist. Der Schmerz macht auf eine Störung aufmerksam, zum Beispiel auf eine Entzündung oder Verletzung. Schmerz besitzt ausserdem eine schützende Funktion. Wer seine Hand versehentlich auf eine heisse Herdplatte legt oder mit heissem Wasser in Kontakt kommt, zieht sie reflexartig zurück, weil es schmerzt. So lassen sich grössere Gewebeschäden durch Verbrennungen oder Verbrühungen meist vermeiden.
Schmerzort, Schmerzintensität und Schmerzqualität
Schmerzen nehmen Menschen individuell sehr verschieden wahr. Bei der Diagnose helfen Ärztinnen und Ärzte standardisierte Schmerzfragebogen und Schmerzskalen. Im Rahmen der Schmerzdiagnostik stellen sie Ihnen einige Fragen, zum Beispiel, wo es weh tut, also nach dem Ort der Schmerzen. Dies kann der Bauch genauso sein wie der Rücken oder Kopf. Auch die Schmerzintensität ist wichtig. Schmerzen lassen sich zum Beispiel als mässig, heftig, quälend oder vernichtend beschreiben.
Darüber hinaus liefert auch der Schmerzcharakter (Schmerzqualität) einen wichtigen Anhaltspunkt, um die Ursache des Schmerzes besser eingrenzen zu können. Daher möchten Ärztinnen und Ärzte wissen, wie sich der Schmerz anfühlt und wie Sie ihn beschreiben würden.
Einige Beispiele:
- Kopfschmerzen, zum Beispiel Spannungskopfschmerzen, können sich dumpf, drückend oder ziehend anfühlen.
- Pochende und pulsierende Schmerzen können auf eine Entzündung hindeuten, zum Beispiel auf eine Zahnwurzelentzündung.
- Dumpfe, ziehende, pochende oder drückende Schmerzen betreffen oft die Muskeln und Knochen.
- Schmerzen, die krampf-, wellen- oder kolikartig sind, stehen oft mit den inneren Organen in Verbindung, zum Beispiel mit dem Magen oder Darm.
- Nervenschmerzen werden oft als stechend, scharf, brennend oder elektrisierend beschrieben. Die Schmerzen treten oft plötzlich und einschiessend auf.
Welche Arten von Schmerzen gibt es?
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden verschiedene Schmerzformen, denn Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Im Prinzip können Schmerzen jeden Teil des Körpers betreffen – von der Haut bis zu den inneren Organen, Muskeln und Knochen. Einige Beispiele, welche Schmerzarten häufig vorkommen:
- Rückenschmerzen (Kreuzschmerzen): In der Schweiz gehören Schmerzen im Rücken zu den häufigsten Beschwerden.
- Kopfschmerzen, Migräne
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Halsschmerzen
- Bauchschmerzen
- Regelschmerzen
- Zahnschmerzen
- Nervenschmerzen
- Tumorschmerzen
Daneben gibt es eine medizinische Einteilung in mehrere Schmerzarten – die wichtigsten im Überblick:
- Nozizeptive Schmerzen: Entstehen durch die Aktivierung von Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) infolge einer Verletzung oder Schädigung des Gewebes, zum Beispiel durch eine Quetschung, Verbrennung, Entzündung, einen Tumor oder eine Kolik. Beispiele sind Wund-, Zahn- und Gelenkschmerzen.
- Reflektorische Schmerzen: Sie können durch eine Fehlregulation oder eine Fehlhaltung entstehen, zum Beispiel durch Veränderungen der Durchblutung oder Muskelverspannungen. Beispiele sind Migräne, Spannungskopfschmerzen und Rückenschmerzen.
- Psychosomatische Schmerzen: Der Auslöser ist meist eine seelische Belastung, die sich durch körperliche Symptome bemerkbar macht. Beispiel: Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen
- Viszerale Schmerzen: Mit dem Begriff „viszeral“ sind die inneren Organe gemeint. Ein viszeraler Schmerz ist oft schwierig zu lokalisieren, weil er von vielen Organen herrühren kann. Beispiel: Brustschmerzen bei einem Herzinfarkt.
- Neuropathische Schmerzen: Darunter versteht man Nervenschmerzen, die durch eine Schädigung der zentralen oder peripheren Nerven verursacht werden. Nervenschmerzen können zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall oder im Rahmen der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus vorkommen.
- Übertragene Schmerzen: Der Schmerz wird an einer anderen Stelle als der eigentlichen Schmerzquelle wahrgenommen. Das liegt an der Vernetzung der Nervenbahnen. Beispiel: Bei einem Herzinfarkt können Schmerzen im linken Arm oder Kiefer auftreten.
Was hilft bei Schmerzen?
Schmerzen können viele verschiedene Ursachen haben – davon hängt auch die Behandlung ab. Es gibt zwei Strategien, um Schmerzen zu behandeln: An dem Ort, an dem die Schmerzen entstehen, oder bei der Schmerzweiterleitung und Schmerzverarbeitung.
Oft helfen Schmerzmittel, sogenannte Analgetika. Sie lindern Schmerzen und sorgen dafür, dass Sie diese nicht mehr aushalten müssen. Es gibt verschiedenen Arten von Schmerzmedikamenten, zum Beispiel aus der Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Dazu gehören zum Beispiel die Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac. Sie wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Ein bewährter Wirkstoff bei Schmerzen ist ausserdem Paracetamol, der zur Gruppe der Nichtopioid-Analgetika zählt. Er wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend. Manche Präparate beinhalten auch eine Kombination von Wirkstoffen. Es gibt noch viele weitere Gruppen von Schmerzmedikamenten, die – je nach Schmerzstärke – eingesetzt werden.
Abhängig von der Ursache der Schmerzen können noch einige zusätzliche Massnahmen helfen, zum Beispiel:
- Physiotherapie, Bewegungstherapie
- Physikalische Therapien (z.B. Wärme, Kälte)
- Ergotherapie
- Verhaltenstherapie, z.B. kognitive Verhaltenstherapie
- Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Yoga
FAQs: Schmerzen
Wann sollte ich mit Schmerzen zum Arzt gehen?
Bei Schmerzen sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, wenn sie sehr intensiv sind, ihre Stärke zunimmt, sie länger andauern oder sich nicht allmählich wieder bessern. Auch wenn weitere Symptome hinzukommen, ist ein Besuch in der Arztpraxis ratsam. Lassen Sie die Ursache Ihrer Schmerzen ärztlich abklären. Manchmal sind Schmerzen ein Notfall, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt. Verständigen Sie sofort den Rettungsdienst unter 144. Auch bei einem Knochenbruch und anderen schmerzhaften Verletzungen, zum Beispiel durch einen Unfall, sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen.
Warum entstehen Schmerzen?
Schmerzen gelten als Warnsignal und machen Menschen darauf aufmerksam, dass im Körper etwas nicht in Ordnung ist. Ausserdem üben Schmerzen eine schützende Funktion aus. Beim Griff auf eine heisse Herdplatte zieht jeder seine Hand sofort weg und beugt so weiteren Schäden vor.
Welche Hausmittel können bei Schmerzen helfen?
Kälte bei akuten Schmerzen, zum Beispiel aufgrund einer Prellung oder Zerrung, und Wärme bei chronischen Schmerzen, beispielweise aufgrund von rheumatischen Erkrankungen, gelten als bewährte Hausmittel. Darüber können pflanzliche Schmerzmittel helfen, zum Beispiel mit Arnika oder Beinwell. Nelken sind ein bekanntes Hausmittel bei Zahnschmerzen. Zudem können warme Tees helfen, zum Beispiel bei Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfen.
Was tun, wenn die Schmerzen nicht aufhören?
Wenn Schmerzen nicht aufhören und sich bessern, sollten Sie immer zeitnah einen Arzt oder eine Ärztin um Rat fragen. Lassen Sie die Ursache Ihrer Schmerzen abklären. Wichtig ist es zu verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden oder sich zu einer eigenständigen Schmerzerkrankung, dem chronischen Schmerzsyndrom, weiterentwickeln.
Welche Schmerzen sind ein Notfall?
Es gibt Schmerzen, die ein Notfall sind und bei denen Sie sofort den Notdienst unter 144 verständigen sollten. Ein Beispiel ist ein Herzinfarkt, der oft mit starken Brustschmerzen verbunden ist. Oft kommen weitere Symptome wie ein Druck- oder Engegefühl, Schweissausbrüche oder Atemnot hinzu. Schnelle ärztliche Hilfe kann lebensrettend sein. Auch bei sehr starken Bauchschmerzen sollten Sie sofort den Notdienst verständigen. Starke Bauchschmerzen können auf einen medizinischen Notfall im Bauchraum hinweisen. Weitere Anzeichen können eine harte Bauchdecke, Übelkeit und Erbrechen sein.
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