Schmerzen
Symptome von Hexenschuss und Ischias
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Schmerzarten überhaupt. Es gibt kaum jemanden, der noch nicht mit unangenehmen Schmerzen im Rücken zu tun hatte. Etwa 88 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben schon mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen gelitten, die meisten sogar mehrmals pro Jahr. Zu diesen Ergebnissen kommt der Rücken Report Schweiz 2020. Doch Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz! Es gibt verschiedene Orte, an denen sich der Schmerz zeigt, und unterschiedliche Gründe für die Kreuzschmerzen. So ist zum Beispiel ein Hexenschuss nicht das Gleiche wie der umgangssprachliche „Ischias“.
Hexenschuss – Qual in der Lendenwirbelsäule
Der Hexenschuss trifft Menschen meist unerwartet und wie aus heiterem Himmel. Plötzlich schiesst ein heftiger Schmerz in den unteren Rücken ein. Oft sind die akuten Rückenschmerzen in der Lendenwirbelsäule so stark, dass sich Betroffene kaum mehr bewegen können. Die Muskeln in unteren Rücken verhärten sich, blockieren die Wirbelsäule und verursachen die typische Bewegungssperre, die aber meist nach wenigen Tagen wieder vergeht.
In der Regel lösen bestimmte ungünstige Bewegungen den Hexenschuss aus, etwa Drehungen, Bücken, Aufrichten oder das Heben schwerer Lasten. Medizinisch heisst der Rückenschmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule auch Lumbago, akute Lumbalgie oder akutes Lumbalsyndrom.
Ischias – Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen
Nicht zu verwechseln ist der Hexenschuss mit der Ischialgie, bei der der Ischiasnerv beziehungsweise seine Nervenwurzeln gereizt sind. Ischiasschmerzen sind daher eigentlich Nervenschmerzen. Im Volksmund heisst die Ischialgie auch einfach „Ischias“.
Die Schmerzen strahlen dabei vom unteren Rücken ins Gesäss und in die Rückseite des Oberschenkels bis hin zum Fuss aus, weil der Ischiasnerv dort entlang zieht. Auf der Höhe des Knies verzweigt sich der dickste und längste Nerv des Körpers und versorgt auf diese Weise das Schien- und Wadenbein sowie den Fuss. Wie der Hexenschuss können Ischiasschmerzen sehr plötzlich auftreten, etwa beim Bücken oder Heben schwerer Lasten.
Zwischen dem Hexenschuss und Ischias gibt es einen wesentlichen Unterschied: Während beim Hexenschuss die Rückenschmerzen auf den Bereich der Lendenwirbelsäule begrenzt bleiben, strahlen die Schmerzen beim Ischias weiter in Richtung Bein aus. Ärztinnen und Ärzte kennen auch eine Kombination aus Hexenschuss und Ischias. Sie sprechen dann von einer Lumbo-Ischialgie.
Hexenschuss und Ischias – die wichtigsten Ursachen
Ein Hexenschuss kann mehrere Ursachen haben, die in der Regel tiefer liegen als die auslösende Bewegung wie das Bücken oder Aufrichten. Meist stecken Muskelverspannungen im Bereich der Lendenwirbelsäule, eine vorgewölbte Bandscheibe oder ein Bandscheibenvorfall dahinter. Auch entzündete, abgenutzte (Arthrose), verschobene oder blockierte Wirbelgelenke können die Gründe für einen Hexenschuss sein.
Bekannt sind zudem einige Risikofaktoren, die eine verspannte Muskulatur und Erkrankungen der Wirbelsäule begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel:
- eine schlecht trainierte, schwach ausgeprägte Rückenmuskulatur
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- permanente Fehlhaltungen (z.B. am Computer)
- Körperliche Überlastungen, etwa bei schwerer körperlicher Arbeit oder beim Sport
Beim Ischias werden Nervenwurzeln eingeengt, geschädigt oder gereizt. Dafür lassen sich ebenfalls verschiedene Ursachen festmachen, unter anderem:
- Bandscheibenvorwölbung oder Bandscheibenvorfall – die verrutschte Bandscheibe drückt auf die Nervenwurzeln. Der Bandscheibenvorfall ist die häufigste Ursache für die Ischialgie.
- Verschleiss an den Wirbelkörpern, die sich am Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein befinden
- Muskelverspannungen im unteren Rücken
- Nervenentzündungen, z.B. durch Infektionskrankheiten wie die Gürtelrose oder Lyme-Borreliose
- Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus und Rheuma sowie Verletzungen (Unfälle), welche die Nerven schädigen
- Kalte Zugluft, Nässe oder das Sitzen auf kühlem Untergrund können Nervenreizungen hervorrufen
Auch bei der Ischialgie sind einige Risikofaktoren bekannt, die Rückenschmerzen begünstigen können. Dazu gehören unter anderem Übergewicht/Adipositas, monotone Körperhaltungen wie langes Sitzen oder schwere körperliche Arbeit.
Was tun bei Hexenschuss und Ischias?
Hier finden Sie weitere Tipps
FAQs: Symptome bei Hexenschuss und Ischias
Woher weiss ich, ob ich einen Hexenschuss habe?
Ein Hexenschuss macht sich dadurch bemerkbar, dass Sie einen plötzlichen stechenden Schmerz im unteren Rücken verspüren. Auslöser sind oft ruckartige Bewegungen, das Heben schwerer Lasten oder Verdrehungen. Die Muskulatur im unteren Rücken ist verspannt und verhärtet und die Beweglichkeit ist sofort eingeschränkt. Viele können kaum mehr gehen oder stehen und nehmen eine Schonhaltung ein. Ob Sie einen Hexenschuss haben, kann ein Arzt oder eine Ärztin sicher feststellen.
Ist Hexenschuss dasselbe wie Ischias?
Nein, es handelt sich um zwei verschiedene Beschwerdebilder. Ein Hexenschuss heisst medizinisch auch Lumbago. Die Beschwerden sind auf den unteren Rücken beschränkt. Ischias bedeutet dagegen Schmerzen entlang des Ischiasnervs, des dicksten und längsten Nervs im menschlichen Körper. Die Schmerzen entstehen durch die Reizung, Einklemmung oder Verletzung des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln. Der medizinische Begriff ist Ischialgie. Beim Ischias können die Schmerzen vom unteren Rücken durch das Gesäss bis in die Beine ausstrahlen. Hexenschuss und Ischias werden aber oft synonym verwendet, da die Beschwerden häufig nicht klar voneinander zu trennen sind.
Wie lange dauert es, bis der Hexenschuss weg ist?
Bis ein Hexenschuss wieder vollständig weg ist, kann es verschieden lang dauern – von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen. Die Schmerzen sind meist in den ersten Tagen am intensivsten ausgeprägt, dann lassen sie langsam wieder nach. Wärme und vorsichtige Bewegung können den Heilungsprozess fördern.
Wann soll man mit Hexenschuss zum Arzt oder zu einer Ärztin?
Mit einem Hexenschuss sollten Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, wenn neurologische Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in den Beinen oder Störungen der Erektion, Blasen- oder Darmentleerung auftreten. Auch wenn die Rückenschmerzen sehr intensiv werden, ist ein Arztbesuch notwendig.
Was macht der Arzt bei Hexenschuss?
Beim Verdacht auf einen Hexenschuss stellt der Arzt oder die Ärztin zunächst einige Fragen zu Ihrer Krankengeschichte. Wichtig sind zum Beispiel die Art, Stärke und Dauer der Symptome oder Vorerkrankungen. Dann schliesst sich meist eine körperliche Untersuchung an, bei der der Arzt oder die Ärztin den Rücken und die Muskulatur abtastet. So lassen sich zum Beispiel Verspannungen aufspüren oder Orte identifizieren, die bei Druck besonders schmerzen (sogenannter Druckschmerz). Manchmal folgen Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie eine Computertomographie (Röntgenmethode) oder Kernspintomographie (Magnetfelder und Radiowellen). Es gilt, andere Ursachen der Schmerzen wie einen Bandscheibenvorfall auszuschliessen.
Gibt es einen Hexenschuss-Test?
Es gibt zwar keinen speziellen Hexenschuss-Test, aber Sie können ihn grob von einem Bandscheibenvorfall abgrenzen. Bei einem Hexenschuss ist der Schmerz in der Regel lokal begrenzt und strahlt nicht in andere Bereiche des Körpers aus – im Gegensatz zu einem Bandscheibenvorfall. Ausserdem gibt es beim Hexenschuss in der Regel keine neurologischen Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen. Worum es sich genau handelt, kann aber nur ein Arzt oder eine Ärztin zuverlässig feststellen.
Was verschlimmert Schmerzen bei Hexenschuss?
Bei einem Hexenschuss können sich die Schmerzen beim langen Sitzen und Liegen oder beim Verharren in einer starren Position verschlimmern. Besser bei Schmerzen im unteren Rücken ist es, sich vorsichtig zu bewegen. Zugluft oder Kälte können Muskelverspannungen verstärken – Wärmeanwendungen hingegen fördern die Durchblutung und tragen zur Entspannung der Muskulatur bei, beispielsweise als Wärmepflaster oder Wärmecreme.
Wie lange dauert Ischias?
Die Dauer der Ischiasentzündung kann individuell sehr verschieden sein und hängt massgeblich von der Ursache ab. Die Gründe können Muskelverspannungen, aber auch ein Bandscheibenvorfall oder Verschleiss am Wirbelkörper sein. Meist bessern sich die Beschwerden jedoch innerhalb von einigen Tagen bis mehreren Wochen.
Wie kann ich testen, ob ich Ischias habe?
Viele stellen sich die Frage: Woher weiss ich, dass es Ischias ist? Es gibt aber keinen speziellen Test auf Ischias, mit dem Sie die Erkrankung selbst feststellen können. Allerdings können Ihre Symptome einen Hinweis darauf geben, dass es Ischias ist: Schmerzen, die ins Gesäss, in die Beine und Füsse ausstrahlen. Ärztinnen und Ärzte verfügen über einige Tests in der Diagnostik, zum Beispiel den sogenannten Lasègue-Test. Dabei heben Sie Ihr gestrecktes Bein im Liegen an. Geprüft wird, ob Schmerzen auftreten.
Hat man bei Ischias immer Rückenschmerzen?
Ischias zeigt sich meist durch Schmerzen, die einseitig ins Gesäss und oft bis in den Fuss oder in die Zehen ausstrahlen. Typisch sind stechende oder brennende Schmerzen. Rückenschmerzen können zusätzlich auftreten, sind aber oft weniger intensiv als die Beinschmerzen.